Neujahrskonzert der Stiftung Dissen am 4.1.2026 18.00 Uhr in St. Mauritius-Kirche Dissen
Am 4. Januar 2026 feierte die Stiftung Dissen das 750-jährige Jubiläum der St. Mauritius-Kirche mit einem festlichen Neujahrskonzert unter dem Titel „Italienische Winterreise III“. Die künstlerische Leitung lag bei der Sopranistin Claudia Oddo, die gemeinsam mit einem hochkarätigen Ensemble das Publikum auf eine emotionale Reisezwischen Oper, Filmmusik und Operette mitnahm.
Lyrisch-italienisch eröffnet wurde das Konzert mit dem Cantabile von Niccolò Paganini, gespielt von Günther Sanin (Violine) und Nadja Naumova (Klavier). Es folgte „Vissi d’arte“ aus Puccinis Tosca, eindrucksvoll interpretiert von Claudia Oddo, die mit stimmlicher Durchschlagskraft und Ausdruck das Gebet der Tosca zum Leben erweckte.
Für besondere Begeisterung sorgte der kurzfristig eingesprungene Tenor Sebastiano Lo Medico, der mit der berühmten Arie „Nessun dorma“ aus Puccinis Turandot einen strahlenden Höhepunkt des Abends setzte. Sein kraftvoller Vortrag, getragen von expressiver Höhe, riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.
Ein weiterer Glanzpunkt war das virtuose Spiel von Günther Sanin im Werk Rumänisch von Jo Knümann – ein leidenschaftlicher Ritt durch folkloristische Klangwelten, den Sanin mit Temperament und Präzision gestaltete. Auch das Scherzo aus der Cellosonate von Dimitri Schostakowitsch, interpretiert von Sara Airoldi (Violoncello) und Nadja Naumova (Klavier), überzeugte mit technischer Raffinesse und ausdrucksvoller Dynamik.
Emotionaler Höhepunkt der ersten Hälfte war das Morricone-Medley, vorgetragen von Claudia Oddo („Nella Fantasia“ aus The Mission) und Günther Sanin (Spiel mir das Lied vom Tod) – eine Hommage an den großen Filmkomponisten, die Oddo dem zweiten Vorsitzenden der Stiftung Dissen, Fritz Raube, widmete. Ein leiser berührender Moment. Natürlich durfte auch „Brindisi“ aus La Traviata von Giuseppe Verdi nicht fehlen. Das berühmte Trinklied sorgte für einen mitreißenden Abschluss der ersten Konzerthälfte – gefeiert mit langem Applaus.
Auch im zweiten Teil bewies das Ensemble seine Vielseitigkeit: Claudia Oddo glänzte mit einer charmanten, parodistischen Interpretation der Hosenrolle des Prinzen Orlofsky in „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus Die Fledermaus. Sebastiano Lo Medico begeisterte mit dem Klassiker „Granada“, bevor das Duett „Dein ist mein ganzes Herz“ von Franz Lehar das Publikum verzauberte. Mit der sprühenden Polka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauss (Sohn), dem Radetzky-Marsch und dem innigen Duett „Torna a Surriento“ fand der Abend ein fulminantes Finale.
Lang anhaltender Applaus, Standing Ovations und große Blumensträuße zeugten von der Begeisterung des Publikums. Pastor Jan Ketges zeigte sich sichtlich berührt und ließ durchblicken, dass eine weitere Einladung folgen könnte. Auch die dritte Ausgabe der „Italienischen Winterreise“ war damit ein voller Erfolg – musikalisch, atmosphärisch und menschlich.
Jürgen Striewski